Richtungswechsel

Wie gehst du mit deinem Leben um? Wie gehst du mit dir um? Wie mit deiner Gesundheit?

Natürlich gehört alles zusammen, wir sind nicht getrennt von unserem Körper, wir sind ein ‚Ich‘ und wir sind Leben. So wie Albert Schweitzer, der große Philosoph, Arzt und Friedensnobelpreisträger sagte: „Ich bin das Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will.“

Ich habe nicht nur ein Leben, ich bin Leben und um mich herum ist auch Leben, das leben will.

Zurzeit denke ich wieder viel über das Leben und wie ich es lebe nach. Und darüber wie schnell das auch alles vorbei sein kann. Grund dafür ist, dass in meinem Freundeskreis jemand (noch relativ jung) sehr schwer an Krebs erkrankt ist und die Aussichten auf eine vollkommene Genesung sehr gering sind. Die Vorstellung, in welcher Ausnahmesituation sich die Familie befindet und welche emotionalen Zustände sie erleben, ist schlimm und eigentlich eben nicht vorstellbar.

Die Situation konfrontiert mich natürlich auch mit der eigenen Endlichkeit und die der Menschen, die ich liebe und die mir nahestehen. Wir sind alle in einem Alter, in dem die Zeit, die vor uns liegt kürzer ist als die Zeit, die hinter uns liegt. Vieles erscheint mir total absurd, wenn ich an mein sehr abwechslungsreiches Leben zurückdenke. Und es erscheint auch absurd, dass die Zeit, die noch bleibt, begrenzt ist und vieles einfach nicht mehr eintreten wird.

Aber es ist auch okay, denn ich bin sehr zufrieden und damit auch im Frieden mit mir. Ich muss gar nichts mehr, ich darf nur noch und das fühlt sich sehr schön an. Der Weg dorthin war zwar anstrengend, aber es hat sich mehr als gelohnt als ich mein Leben Ende 2007 vollkommen auf den Kopf gestellt habe, ohne zu wissen wohin die Reise wirklich geht. Ich wusste aber, dass ich – wenn ich die Richtung nicht ändere – mein Leben sein Thema verfehlt und ich so nie herausfinden werde, wer ich eigentlich bin und was mich ausmacht. So habe ich einen radikalen Richtungswechsel eingeleitet, der mich nicht nur zu meiner Berufung, sondern zu mir selbst geführt hat. Ich gehe viel bewusster mit mir, mit meinem Leben und auch mit anderen Menschen um.

Mit welchem Blick siehst du auf dich, auf dein Leben? Was wäre, wenn du wüsstest, dass dir nicht mehr viel Zeit bleibt? Hast du das Gefühl, dass dein Leben erfüllt war, oder bist du noch immer auf der Suche nach dem, was dich glücklich sowie zufrieden macht? Erfüllung kommt nicht von außen, sie kommt aus unserem tiefsten Inneren, sie kommt aus der Verbindung mit uns selbst. Es ist schwer zu beschreiben, das Gefühl kann man nur erleben. Es ist das Gefühl einer starken Verbundenheit mit allem was ist, ein Glücksgefühl, das das Herz ganz weit macht und uns spüren lässt, wie schön das Leben ist.

Ich weiß, angesichts der derzeitigen Konflikte mag das vielleicht zynisch klingen. Und es geht auch nicht darum, kein Mitgefühl zu haben. Aber es geht darum, dass wir, denen es wirklich gut geht und die nichts zu befürchten haben, uns bewusst machen, was wir hier haben. Dass wir ein gutes und sicheres Leben führen können, dass wir gesund sind, dass wir uns ernähren können, dass wir einen guten Freundes- und Familienkreis haben, dass wir eine Arbeit haben und Geld verdienen. Das allein sind schon sehr gute Rahmenbedingungen für ‚Glücklichsein‘. Und dennoch sind sehr viele Menschen, die das alles haben, unzufrieden.

Nochmal: mit welchem Blick siehst du auf dich und dein Leben? Was würdest du gerne ändern? Und wie lange willst du noch darauf warten? Hast du die Möglichkeit dazu? Was hindert dich daran, es zu tun, und ist es wirklich ein Hinderungsgrund?

Ich wusste damals, ich darf nicht mehr warten und bin in unbekannte Gewässer gesprungen. Das war nicht einfach, ich habe auch Angst gehabt vor dem, was auf mich zukommt. Viele haben es nicht verstanden, ich anfangs auch nicht. Aber das Leben hat mich getragen und bis hierher zu dir geführt. Ich konnte es und du kannst es auch, du brauchst nur ein wenig Mut und Zuversicht sowie jemanden der an dich glaubt und dich moralisch unterstützt.

Martin Luther King jr. sagte: „Du musst nicht den ganzen Weg sehen. Mach einfach den ersten Schritt.“

In diesem Sinne möchte ich dich ermutigen und mit meinen Gedanken inspirieren sowie dich auch sehr gerne auf dieser Reise begleiten. Dein Blick auf das Leben wird ein anderer sein.